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Mutmaßlicher Killer bulgarischer Moderatorin gefasst

Sofia/Stade - Der Mord an der Fernsehmoderatorin Wiktorija Marinowa ließ bange Fragen aufkommen. Nicht nur in Bulgarien, in ganz Europa.

Eine Frau legt Blumen vor einem Bild der ermordeten Journalistin Wiktorija Marinowa am Freiheitsdenkmal in Russe nieder. Foto: Filip Dvorski/AP © dpa

Stand die Tat im Zusammenhang mit ihrer Arbeit als Journalistin? Oder wurde die 30-Jährige in der bulgarischen Stadt Russe auf tragische Weise Zufallsopfer eines Verbrechens?

Internationale Spekulationen, Tweets und Kommentare sahen einen Zusammenhang zwischen der von Marinowa moderierten Sendung «Detektor» des lokalen Kabelsenders TVN und ihrer Ermordung. Bulgarien wurde mit Malta und der Slowakei gleichgesetzt, wo binnen eines Jahres zwei Investigativjournalisten aus politischen Gründen ermordet wurden. Die Regierung in Sofia reagierte irritiert über derart vorschnelle Reaktionen.

Seit Mittwoch ist klar: Es war offensichtlich kein politisches Verbrechen. Ein Verdächtiger, der in der Nähe des Tatorts lebt, wurde im norddeutschen Stade gefasst. Der bulgarische Regierungschef Boiko Borissow hob hervor, der Mord habe nichts mit Marinowas Beruf zu tun. Borissow ließ Kritik an Westeuropa durchklingen: «Trotz alldem, was sie uns gelehrt haben (...) niemanden zu beschuldigen, bevor etwas nicht bewiesen ist, schlugen sie auf uns mit Tweets ein.»

Zu dem Fahndungserfolg habe die intensive Arbeit und Kooperation der bulgarischen und deutschen Behörden geführt, lobte Innenminister Mladen Marinow. Großes Lob kam danach auch von deutscher Seite. Ein BKA-Verbindungsbeamter in Sofia war an der Koordinierung beteiligt. Die Bulgaren ermittelten unter einem enormen internationalen Druck, seitdem die 30-Jährige am Samstag in einem Park am Donauufer in Russe vergewaltigt und ermordet worden war.

Am Dienstag gegen 12.00 Uhr ging beim Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA) der Hinweis von bulgarischer Seite ein, dass sich der Mann in Hamburg oder in Niedersachsen aufhalten soll. Danach ging alles sehr schnell: Keine vier Stunden später hatten die Ermittler eine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus im niedersächsischen Stade als Aufenthaltsort identifiziert. Gegen 20.15 Uhr stürmten Kräfte des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) die Wohnung und nahmen zunächst zwei Männer fest, von denen einer aber wieder freigelassen wurde.

Wiktorija joggte an jenem herrlich sonnigen Samstagmittag wie oft zuvor entlang der Donau. Sie brachte sich in Form für einen Langlauf im nahe gelegenen Naturpark Srebarna. Die Parkanlage entlang der Donau in Russe ist unbewacht. In der Nähe steht auch das Haus, wo der nun in Stade gefasste Tatverdächtige Medienangaben zufolge gelebt haben soll.

«Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Festnahme sind nur wenige Stunden vergangen», sagte LKA-Präsident Friedo de Vries anerkennend. «Trotz des bedrückenden Anlasses ein hervorragendes Beispiel, wie gut die länderübergreifende Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden in Europa funktionieren kann.» Nach ersten Erkenntnissen verließ der unbewaffnete Mann seine Heimat mit dem Auto. In der Stader Wohnung leben Familienangehörige des 20-Jährigen, dessen Festnahme auf Grundlage eines bulgarischen Ersuchens erging.

Der Verdächtige soll nun nach dem Eintreffen des europäischen Haftbefehls in den kommenden Tagen nach Bulgarien ausgeliefert werden. Zunächst sollte er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Unbescholten scheint der 20-Jährige nicht zu sein. Gegen ihn sei bereits ein Verfahren wegen Urkundenfälschung anhängig, sagte der zuständige Abteilungsleiter Thomas Hackner aus dem Justizministerium in Hannover.

In Bulgarien muss der 20-Jährige vermutlich mit einer Anklage wegen Vergewaltigung und Mordes rechnen. Die bulgarischen Ermittler haben aus ihrer Sicht überzeugendes Beweismaterial: DNA-Proben. Genmaterial des Mannes sei am Körper der Toten entdeckt worden. Auch seien persönliche Sachen der Ermordeten in der Wohnung des Verdächtigen in Russe entdeckt worden.

(Quelle: dpa)

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